


Dublins Straßen sind überflutet und Irlands Nachrichten erinnern an 1986, als der Hurrican "Charley" im August abnormale Regenfälle mit sich brachte.
Welches Glück also hatten Nadja und ich, als wir nur etwa für eine Stunde vom Regen "überflutet" wurden und uns letztlich ein Kleinbus mitnahm nach einer langen Wanderung entlang einer der Straßen der größten der Aran- Inseln, Inis Mór.
Bus und Fähre brachten uns dorthin, wo noch irisch gesprochen wird und wir das Gefühl hatten, dem Keltischen so nah wie noch nie zu sein. Karge, baumlose Ebenen mit den hier typischen unzähligen kleinen Steinmauern, raue Klippen mit ihrer imposanten Brandung und die Reste dachloser alter Kirchen mit ihren Grabsteinen haben uns fasziniert. Stellt euch einen von Sträuchern umsäumten Grasteppich vor, der sich kilometerweit über die Landschaft erstreckt und unterbrochen wird durch hunderte von niedrigen Steinmauern. Mit der Hand aufgeschichtet, ohne jegliche Zuabe von Lehm, schützen sie das jeweilige Stückchen Land vor den Stürmen des Atlantik, speichern Wärme, umgrenzen das Weideland fürs Vieh und halten das Erdgemisch fest, auf dem etwas angebaut wird. Kleine Wunderwerke sind das, stehen sie doch dort seit Jahrzehnten oder viel, viel länger. Das Auge konnte sich heute daran nicht satt sehen.
Und wenn dann mitten in einer dieser Parzellen" noch ein "Rath" (Irisch: Lis), überwuchert von Sträuchern oder Gras, zu sehen ist, dann macht vielleicht der Bauer einen Bogen darum, aber nicht eine Berlinerin. Das hat etwas mit der Neugier zu tun... Dennoch störe ich die Feen, die dort der Sage nach leben, lieber nicht, denn dann würde ich vor Jahresende noch eine böse Überraschung erleben. Das haben wir in der "free cultural class" gestern Nachmittag jedenfalls gelernt, und noch mehr. Aber dies ist eine andere Geschichte.
Mit den Händen haben wir aber mehrfach über die Steine der mehr als 2000 Jahre alte Festung gestrichen, die soll von den keltischen Ureinwohnern errichtet worden sein soll. Zitat: Das eisenzeitliche Fort am buchstäblichen äußersten Ende Westeuropas besteht aus drei halbkreisförmigen, bis zu fünf Meter hohen Verteidigungsmauern, hinter denen die Klippen fast 100 Meter steil ins Meer abfallen..." Nadja und ich haben uns auf den Bauch gelegt und in den Abgrund begeisert und dabei etwas schaudernd hinabgeschaut.
Ein ganz besonderer Tag neigt sich dem Ende zu, er war erfüllt von großartigen Impressionen. So bleibt eigentlich nur ein Wunsch: Möge es doch mal einen absolut regenfreien Tag geben.