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Donnerstag, 13. August 2009

Juwelen in der Galwaybucht


Wie lange braucht ein Mensch um irgendwo „anzukommen“?


Bei mir dauerte dies nur Minuten, so schnell fühlte ich mich wieder zu Hause auf der Insel ganz in Grün. Das freundliche Lächeln der Menschen, der vertraute Klang des irischen Englisch, die hunderte kleinen Steinmauern, der lebendige Klang der irischen Musik aus den Pubs und der fast vergessene Geschmack des Sodabrotes und, nicht zu vergessen, der verhangene Himmel mit seinen kräftigen kurzen Sommerregen. Ich umarme die Stadt, meine Englischlehrer mich, meine Gastmutter Delia und ich einander.


Angekommen. Und fündig geworden am 2. Reisetag: Nein, ich meine nicht das gesichtete riesige rostige Wrack des großen Containerschiffes, das 1960 auf bei starkem Sturm auf ein Riff lief und dessen Besatzung gerettet wurde. (Die Ladung Whisky blieb dagegen für immer verschollen). Es geht mir um die drei Aran-Inseln, zu denen ich unterwegs war, und die durch ihre Einmaligkeit als Juwelen in der Bucht vor Galway bezeichnet werden. Um zu der kleinesten von ihnen zu gelangen, braucht man ein wenig Geduld bei der dreiviertelstündigen Busfahrt und darf auf der etwa einstündigen Fahrt mit der extrem schwankenden Fähre nicht zu doll seekrank werden. Beim Näherkommen öffnet sich der Blick auf 10km² einer ganz eigenen und sicherlich auch einmaligen Welt, in der jahrhundertealte Traditionen auf die moderne Welt stoßen.


Bis vor 100 Jahren lebten die Menschen hier hauptsächlich vom Fischfang, es gab keinen Strom, keine Infrastruktur. Heute kommen Touristen, die einzige relativ stabile Einnahmequelle für die Insulaner. Es gibt Geschäfte, Kita, Schulen, kleine Firmen, Internet, Handy…Dennoch verlassen die Jungen die Insel, denn es gibt für sie kaum eine berufliche Perspektive. Übrigens: Von den etwa 250 Einwohnern sind 50 Schüler, 25 davon an der Oberschule mit ihren 10 Lehrern.


Sean, auf dessen Kutschwagen ich mir einen ersten Überblick über die Insel verschaffe, erzählt nicht nur davon. Er zeigt uns die unzähligen kleinen Weiden, Wiesen und Gärten, die seine Vorfahren fruchtbar gemacht haben. Mit ihm entdecken wir einen alten Friedhof , in dessen Mitte in einer tiefen Mulde die Reste einer versunkenen Kirche aus dem 10. Jahrhundert zu finden sind. Jedes Jahr am 13. Juli kommen unzählige Pilgerer dorthin, denn sie ist einem Heiligen gewidmet. Dann muss all der Treibsand entfernt werden, der sie wieder fast zugedeckt hat.


Den habe ich bei meiner 12 km-Wanderung über das Inselchen mit seiner herben Schönheit nicht gespürt, aber Wind und Regen und so war ich froh in einem der Pubs eine warme Suppe und ein Bier trinken und mich aufwärmen zu können. Obwohl man auf der Insel sonst nur Gälisch spricht, konnte ich dies bestellen -Für Touristen wie mich wird schon eine Ausnahme gemacht. Von O`Briens Castle habe ich am Ende der Tagestour noch einmal über die Insel geschaut und war für einen kleinen Moment erfüllt von großer Dankbarkeit dafür, wieder ein besonderes Stück Welt entdeckt zu haben.


Montag, 26. Januar 2009

Éin Rückblick

180 Tage Sabbatical neigen sich dem Ende zu und damit schließt sich auch dieser Blog. Er hat seine Aufgabe erfüllt, war mir unterwegs immer ein Kontakt zur Familie und zu den Freunden und mein Tagebuch.

Habt Dank, ihr lieben Mitleser, für eure vielen Reaktionen auf die Reisenotizen. So habt ihr mir stets das Gefühl gegeben, trotz der Ferne bei euch zu sein und ich konnte euch gedanklich ein Stück mit auf meine Wege nehmen.

Diese sechs Monate gehören zu den wohl intensivsten, aktivsten, bereicherndsten und schönsten der letzten Jahre und rückblickend erfüllt mich große Dankbarkeit, besonders für all die Begegnungen in ihm.

Nun geht es zurück in den Berufsalltag. An den Abenden jedoch werde ich noch oft in den Diashows mit ihren fast 180 Photos schmökern, die ich hier eingestellt habe. Ich lade euch ein, dann mit mir gemeinsam zurück zu blicken auf ...

Hier geht es per Mausklick auf die Beutel zu : My Ireland

30 x Irland
Hier geht es per Mausklick auf den Rettungsring zu :
My Galway

30 x Galway

Hier gehts per Mausklick auf die Taschen zu: Min Lejre og Viby:

30 x Danmark

Hier gehts per Mausklick auf die Taschen zu: Mi Madrid

30 x Madrid

Hier gehts per Mausklick auf die Postkarte zu:
Barcelona mio:

30 x Barcelona + 10


Sechs Mal 30 Tage- Tschüss, bye, hej-hej und adiós!

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Samstag, 24. Januar 2009

Innehalten bei Gaudi










Warum war Gaudi eigentlich nie in Deutschland, obwohl er doch dessen klassische Musik gerne hörte, wenn auch nur heimlich? Wie schade! Dann hätten wir vielleicht auch so manches Kunstwerk von ihm in der Nähe zu bewundern. Aber welches Glück haben wir doch, in nur drei/vier Stunden vor einem von ihnen zu stehen, sich faszinieren zu lassen von seiner Lyrik ohne Worte.

Es lag wohl auch an den unzähligen Details, die das Auge erfassen mochte, dass es mir nicht gelang, allen bekannten Sehenswürdigkeiten der Stadt einen Kurzbesuch abzustatten. Aber ich wollte dies auch gar nicht. Das Stehenbleiben und begeisterte Bewundern der Kunst von Gaudi, seiner Spiegelung der Natur, seiner scheinbar ganz einfachen Lösungen, der technischen Raffinesse und der atemberaubenden Ästhetik, also das Innehalten, war mir wichtiger.
Manchmal wollte ich nur still sein, denn es berührten mich gerade die kleinen Formen und Muster. Ein anderes mal sagte ich laut zu Joseph: "Look, look, what a wonderful detail" oder ich schmunzelte ob der von mir empfundenen kleinen Nähe Gaudis zum Kitsch. Ob Dali Recht hat mit seiner Aussage, Gaudi sei "mit seinem unverkrampften Verhältnis zum Kitsch" als der Vorläufer der Pop Art zu werten?

Wie auch immer, mich begeistern seine Phantasie, seine enge Bindung zur Natur, seine Mystik und sein Mut zum Visionären. Vor fast 100 Jahren besuchte ein hoher spanischer Geistlicher die Sagrada Familia, deren Bau gerade begonnen hatte. Es sagte zu Gaudi: "Meister, Sie sind der Dante der Archtiktur." Zu lange mag ich nicht warten, um dies vor Ort, in der ganz besonderen Stadt Barcelona, erneut erleben zu können.

PS. Warum musste dieser kreative Mensch beim Überqueren der Straße 1926 nur von einer Tram überfahren werden?

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Mittwoch, 21. Januar 2009

El Sòl de Barcelona
















Der Sound von Barcelona ist so vielfältig, dass er nach den heutigen und gestrigen je 10 Stunden Unterwegssein nur schwer zu beschreiben ist.

Dankend schicke ich den Klang der Stille in der Kirche des "Monastir de Pedralbes" zu einem Freund, der mich auf sie aufmerksam machte und in einer längeren Aufzählung darum bat, Grüße an die Stadt auszurichten. Seine "Grußliste" war für mich wie ein kleiner Stadtfuehrer und so folgte ich ihm und entdeckte dabei, dass Barcelona für mich wie ein Gedicht ist, wie ein Lied, wie eine Melodie mit lauten oder leisen Tönen, die das Herz berühren.

Das fröhliche Lachen der Kinder im Park Guell, die klassische Gitarrenmusik unter den dortigen Säulen, die mitreißenden Straßenmusikanten auf den Plätzen der Stadt, das internationale Sprachgewirr auf der Rambla, der leise Hall der Schritte in den Gassen des Gotischen Viertels, das wunderbare Orgelspiel in der Kathedrale und das Schnattern der Gänse dort im Innenhof, der kreischende Ruf der Papageien auf der Straße "Diagonale", der trotz des Autolärmes zu hören ist- all das gehört zum Klang dieser Stadt. Das schier ununterbrochene Gurren der Tauben auf der Terasse der Casa Batllo, das beruhigende Plätschern des "Herkules-Brunnens" im Park des Palau Reial Pedralbes, das der sich reibenden Yachten im Hafen, der nicht endende Baulärm in der Familia Sagrada, der hörbare Abendwind auf dem Tibidabo, direkt unter der Jesus- Statue der "Herz Jesu- Kirche und das spanische "Hola" oder ""Vale" mit dem Lachen von Joseph und Aranzazu- all das macht das Kolorit Barcelonas für mich aus.

Was sind schon drei Tage in dieser magischen Stadt mit ihrer Mannigfältigkeit nicht nur an Klängen? Nichts. Sie wird mich wieder an sich ziehen, da bin ich mir ganz sicher.

PS. Ein Klang, der mich erheiterte: Der aus unzähligen Kinderwagen, den es gibt in Spanien einen Babyboom. Ein Klang, der mir fehlte: Der aus den unzähligen großen Brunnen, denn Barcelona hat(te) ein großes Wasserproblem.

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Dienstag, 20. Januar 2009

Vier Doppelpacks











Madrid hat sich gerstern von mir mit Regen verabschiedet und noch einmal mit Doppel-Blicken: Da ist das Wahrzeichen der Stadt, der Baer mit dem "Erdbeerbaum", der wegen seiner roten Fruechte so genannt wird. Da sind Don Quichote und Sancho Panza, die nicht nur gegen Windmuehlen kaempften, da sind die beiden Tuerme vom Tor nach Europa und schliesslich wir beide, Eliana und ich.

An ihrer Seite entdeckte ich die schoenen Seiten ihrer Stadt, die ich vorgestern beschrieb. Mit ihr probierte ich Cocido Madrileño, ein typisches spanisches Gericht mit Bohnen, Kartoffeln, Fleisch- aehnlich dem Eisbein zubereitet, sehr schmackhaft! Mit ihr fuhr ich auch in das neue Madrid mit seinen Hochhaeusern wie in Mahrzahn oder spazierte duch gruene Parks, sass an grossen Springbunnen und fotografierte so manches Detail an Tueren und Fenstern. Mit ihr blickte ich aber auch auf die Schattenseiten der Stadt, die Obadachlosen und Bettler oder musste erfahren, wie schnell es gehen kann, wenn Diebe zulangen und die kleine Kamera aus der Seitentasche mitgehen lassen. (Eine kleine Beruhigung fuer Vater: Es ist schon eine neue da. )

Nun sitze ich in Barcelona, bei Aranzazu und Joseph und bin von dem hier und heute Gesehenen fasziniert. An alle, die mir je Fotos von hier zeigten: Alles ist noch viel schoener, als ich es mir vorstellen konnte. Aber das wisst ihr ja. Und darum werde ich meine Fotos erst sortieren, um euch dann doch etwas Besonderes zeigen zu koennen. Glaubt ihr mir nicht, dass es das noch gibt? Na, schaun wir mal.

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Samstag, 17. Januar 2009

Muchas Gracias, Madrid











Danke, Madrid, fuer deinen so herzlichen Empfang unter deinen blauen Himmeln. Du machst es mir leicht, dich zu moegen mit deinen freundlichen Madrilenen, sprudelnden Springbrunnen, gruenen Parks, lauten und breiten Strassen, kleinen und stillen Gassen, hellen Plaetzen mit den Olivenbauemen, den Strassenmusikanten und dem Temperament, das du auch (oder: gerade)in den Abendstunden ausstrahlst.
Es macht Spass, dich zu entdecken, besonders zusammen mit Eliana. Obwohl du erst 450 Jahre Hauptstadt deines Landes bist, hast du viel mehr zu erzaehlen und du tust dies mit so vielen Mitteln, dass es nicht langweilig wird. Deine Klaenge, deine Gerueche, deine Beruehrungen, deine Schritte- alles hallt noch am Abend nach in mir. Ich mag dich. Und das liegt nicht nur an deinem Wahrzeichen, dem Baer unter einem "Erdbeerbaum" oder der froehliche Atmosphaere auf der Plaza Mayor. Vielleicht liegt es auch an dem U-Bahnfahrer, der den Zug fuer zwei aeltere Damen noch einmal stoppt oder dem dicken Sancho Panza, der mir mit Don Quichote als Denkaml zuwinkt. Oder es liegt an dem traumhaften Sonnenuntergang am "Tempel" und dem wohlschmeckenden Serranoschinken.
Auf alle Faelle aber hat es mit der Freundschaft zwischen Eliana und mir zu tun, die wir in Irland vier Wochen zusammen in einer Gastfamilie gelebt haben und an unserem gemeinsamen Lachen, das schon am Morgen beginnt. Danke, Madrid, fuer den ersten so angenehmen Eindruck, den du bei mir hinterlaesst. Ich bin gespannt auf Morgen.
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Samstag, 22. November 2008

In Lejre og Viby








Fotos: Spielplatz auf dem Schulhof, Unterricht in der 2a, Vivi`s Keramik, Unterwegs


Nach 13 Jahren wieder an "meiner" dänischen Schule in Viby zu hospitieren, zu unterrichten und mit den Kollegen zu plaudern, ist etwas ganz Besonderes. Wenn mir der Sportlehrer Kim sagt, ich hätte mich gar nicht verändert, muss ich schmunzeln-älter sind wir ja alle geworden, sind uns aber darin einig, dass dies im wesentlichen nur äußerlich so ist.

Nicht nur beim Plaudern mit dem stellv. Direktor Gerd oder dem Deutschlehrer Soeren vergleichen wir unsere Bildungssysteme und erneut stelle ich fest, wie wichtig es für die Entwicklung eines Kindes ist, an einer "Einheitsschule" zu lernen. Hier kennen die Lehrer ihre Kinder von Klasse 0 bis Klasse 9, kennen die Stärken und Schwächen,arbeiten eng mit den Eltern zusammen und können die Schüler kontinuierlich fordern und fördern. Reibungslos klappt der Übergang von Klasse zu Klasse und von Lehrer zu Lehrer. Ohne Schwierigkeiten funktioniert übrigens hier auch unser Austausch bzw. der Unterricht in Englisch. Die Sprache fließt- mein Irland- Englisch hat die Feuertaufe bestanden.

Zuhause fühle ich mich auch bei Vivi und Jan und ihre Berichten von den Pfadfinderprojekten in Weißrussland und Afrika sind nicht nur interessant, sondern auch ungemein lehrreich. Vivi ist sowohl eine phantastische Lehrerin und engagierte Pfadfinderin, als auch eine kreative Künstlerin- sie arbeitet in der Freizeit mit Glas,Silber und Keramik. Eine erste Ausstellung in Kopenhagen steht bevor und ich darf ihr bei der Vorbereitung helfen, erstelle die Fotos für den Katalog. (siehe oben) Unsere Freundschaft wird um eine neue Nuance bereichert. Ich werde wohl kein Jahr mehr warten, um wieder hierher zu kommen.

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Montag, 17. November 2008

Leben bedeutet unterwegs zu sein...










Fotos: Haus meiner Gastgeber in Lejre, das Kirchlein, Sommerlandschaft, Blick auf Kopenhagen

Immer noch erfüllt vom in Irland Erlebten mache ich mich nun auf in den zweiten Teil meiner Sabbatical-Reise: nach Dänemark. Dieses Land ist mir ebenso ans Herz gewachsen, wie die grüne Insel. Auch hier liegt es neben der ganz andersartigen, aber schönen Natur, vor allem an den Menschen, die ich kennen lernen und bei denen ich nicht erst einmal zu Gast sein durfte.
Vivi und Jan, deren Tochter, Freunde und Kollegen waren es, die mir vor 13 Jahren für mehrere Wochen ihre Gastfreundschaft schenkten und mir das Herz für ihr Land mit seiner Geschichte und Kultur, mit seinen Menschen und Landschaften öffneten. Das Wort Welt- ANSCHAUung erhielt 1995 für mich, vielleicht erstmalig, seinen tiefen Sinn. Aus unserer Bekanntschaft wuchs über die Jahre eine Freundschaft, die durch unser Wiedersehen erneut belebt wird.

Wenn ich in diesem Zusammenhang an die derzeitigen Diskussionen zwischen "Pro- Reli" und "Pro- Ethik" denke, die mich in Berlin wieder eingeholt haben, kann ich nur den Kopf schütteln. In "Ethik" wird genau das vermittelt, was ich auf meiner Irland- und Dänemarkreise (und Spanienreise im Januar) erleben konnte und erleben werde: Gemeinsames Lernen, miteinander reden und lachen, einander entdecken- unabhängig vom kulturellen oder familiären Hintergrund. Nicht gegeneinander! Miteinander!

Deshalb verstehe ich die Amts-Kirche nicht, die die Berliner Kinder in einem für alle gleichermaßen so wertvollen und notwendigen Fach, auseinander dividieren will. Ist es nicht unser Anliegen als Christen, dass alle Schüler im Sinne des Friedens, der Nächstenliebe, der Achtung, Toleranz usw. erzogen werden? Nicht übereinander reden, gegeneinander reden- miteinander reden! Heute habe ich mich deshalb einer Initiative angeschlossen, die da heißt: "Christen für einen gemeinsamen Ethikunterricht". Mögen sich ihr bald viele weitere Christen öffnen. Hier die aktuelle Pressemitteilung der Initiative: http://hpd.de/node/5885

Unterwegs sein- nicht nur mit dem Auto, der Bahn, dem Flugzeug oder zu Fuß. Unterwegs sein mit dem Herzen und mit dem Kopf, nicht stehen bleiben... Leben pur, meint ihr nicht?
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Samstag, 25. Oktober 2008

Mit einem lachenden und weinenden Auge











Irland verabschiedete sich von mir wahrhaft irisch- mit einem Guinness und erneut schlechtem Wetter, diesmal in Dublin. Aber mit beidem kann ich ja inzwischen gut umgehen.


Die 1,2 Millionenstadt am Liffey ist nicht nur eine der ältesten Städte Europas, sondern auch eine der Gegensätze: Hektischer Verkehr im Zentrum und stille Parkwege, riesige Einkaufszentren und hunderte kleiner Läden, trendige Bars und urige Pubs, höchstmoderne Gebäude und alte Wohnhäuser im Gregorianischen Stil, Luxushotels und kleine windige B&B… und mehr. Für mich ist Dublin das Tor zurück in die „große weite Welt“ dessen Lärm und Hektik in der City mich bei meiner Ankunft fast erschlagen haben. Welch ein Unterschied doch zu Galway und zu dem fast verträumten Killarney im Südwesten. Und dennoch: Dublins Gegensätze haben ihren Reiz, die ich nachempfinden wollte. Zuerst hat es mich in die Nationalgalerie gezogen. Diesmal lockten mich nicht Monet, Goya oder Picasso, sondern ich schaute nach den bedeutendsten Malern der irischen Schule. Besonders angetan war ich von den Romantikern, z.B. Thomas Roberts oder George Barret. Mein Lieblingsmaler C.D.F. bleibt jedoch unübertroffen!


Ganz Irish- Like fühlte ich mich danach in der Guinnessbrauerei, die ich besichtigte und in deren wohl höchstem Aussichtspunkt Dublins ich mein Abschiedspint trank. Ich schlenderte durch die kleinen schmalen Gassen der Altstadt, spürte ein wenig dem Geist von Joyce, Shaw und Beckett im kulturellen Teil Dublin, Templebar, nach und überquerte eine der breitesten Straßen Europas, die O´Connell Street, die von den tausenden Menschen, unzähligen blau-gelben Bussen und den Autos im wahrsten Sinne des Wortes pulsiert.


Doch es gab einen Ort, der so still war, dass schon ein Flüstern störte: Ich stand in der Geschichte atmenden Bibliothek des Trinity Colleges, in dem 200,000 uralte Bücher in mehreren Stockwerken gelagert sind und in der ich auch das „Book of Kells“ gesehen habe. Das von Mönchen geschriebene und hunderte Seiten dicke und unbeschreiblich schön illustrierten Buch mit den vier Evangelien erfüllte mich mit Staunen und sogar Ehrfurcht. Immerhin ist es 1200 Jahre alt und jeder Buchstabe, jedes Ornament und Zeichen ist wahrlich gemalt. Diese Mönche waren wahrhafte Künstler. „Ich versteh nicht“, meinte eine Deutsche am Ausgang etwas unwillig, “warum die hier Geld nehmen dafür, dass man sich ein aufgeschlagenes Buch unter Glas angucken kann. Was ist denn daran besonders?“Ich wollte ihr erst antworten, schluckte meine Antwort aber runter. Wie hätte ich ihr auch erklären können, dass es eben dieses Buch war, was mich auf meinen Rückflug von Galway aus verzichten und für nur knapp zwei Tage nach Dublin kommen ließ? Sie hätte den Kopf geschüttelt.


Welch schöner Abschluss einer Reise nach fast 90 Tagen; nicht um die Welt, „nur“ nach Irland. Good bye, Ireland, good bye „my Galway", mit einem lachenden und weinenden Auge.

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Mittwoch, 8. Oktober 2008

Absolut Viehisches




















Sicherlich hat kein Ire je auf Schwäne gewettet, oder Schafe oder Esel. Wie sollte er auch? Aber im Wetten ist er dennoch groß, geht es um Pferde oder Hunde. Letzte Woche wollte ich mir ein Hunderennen im Greyhoundstadion in Galway deshalb nicht entgehen lassen. So etwas gibt es in Irland nämlich seit fast 100 Jahren und es hat sichtlich nicht an Attraktivität verloren.

Das Flair auf der Rennbahn war trotz des miesen Wetters besonders.
Die Zuschauer genossen den Abend bei Fastfood und Bier, verfolgten die Rennen in Dublin auf den Bildschirmen und setzten Geld auf ihre Favouriten. (Ich hebe es auch mal probiert und habe die vier Euro verloren.) Die Hunde tragen beim Rennen eine Art Leibchen und so konnte ich sie bei ihrer Hatz nach dem imaginären Hasen auf der Sandbahn auch aus der Ferne erkennen. Die Männer feuerten "ihre" Hunde lautstark an, wetteten um Sieg, Chance oder mehr, und ich erwischte mich sogar beim Daumendrücken. Dennoch konnte ich den Spaß an diesen Wetten nicht ganz genießen, wie die meisten Besucher. In meinem Kopf passen Tiere und solche Geschäftemacherei nicht zusammen. In meinem Lieblingsbuch über Irland habe ich gelesen, dass es auch Hundekämpfe gibt, die aber, wie auch Hahnenkämpfe, verboten sind.

Schafe sind nicht verboten, im Gegenteil. Über 8 Millionen gibt es inzwischen. Das heißt, rein statisch gesehen, dass auf jeden Einwohner Irlands zwei Schafe kommen. Manchmal stehen sie mitten auf der Straße und du schaust automatisch nach dem farbigen Punkt auf ihrem Fell: Pink oder Blau. Manche Iren sagen, es gäbe diese Farben, damit die Farmer erkennen würden, ob es ihre Schafe wären. Andere meinen, das wäre die Unterscheidung zwischen männlich oder weiblich. Die Dritten erklären, dies sei das Erkennungsmerkmal dafür, welches "Dip" und "Dosing" die Tiere bekommen haben- welche Art Schutz vor typischen Wurmkrankheiten. Ich bin von Letzterem überzeugt und schmunzele über die Souveniers, die Irland symbolisieren: Schaf- Topflappen, Schaf- Schlüsselanhänger, Schaf- T-Shirts....

Ein letztes Wort zu den Schwänen, die ich hier unzählige Male fotografiert habe. Sie gehören für mich zu Irland wie die Schafe. Die Legende der Kinder von König Lir erzählt, dass sie einst von ihrer eifersüchtigen Stiefmutter in Schwäne verwandelt worden sein. Die von ihrem Gewissen gequälte Stiefmutter verlieh den Schwänen aber noch die Gabe des überirdisch schönen Gesangs. Sie wurden 900 Jahre später wieder zu Menschen, waren dann jedoch schwach und gebrechlich und starben kurze Zeit später, nicht jedoch, ohne zum mittlerweile aufgetauchten Christentum bekehrt zu werden... Wie auch immer: Die Schwäne wurde auch von dem berühmten Dichter Yeats nicht nur einmal besungen und mir fallen viele Märchen ein, in denen Schwäne eine Rolle spielen. Die irischen überwintern hier, denn der Winter ist in Irland sehr mild.

Bleiben noch die Pferde. Die ziehen mich bestimmt am kommenden Wochenende in ihren Bann, in Ballinasloe... Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte.
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Dienstag, 7. Oktober 2008

Proud of... names, teams and history



















Fotos: Impressionen aus der "irischen Stadt des Mittelalters"

Man muss nicht nur, wie ich am letzten Wochenende, das mittelalterliche Stadtzentrum von Kilkenny besucht haben, um zu erleben, worauf die Iren sehr stolz sind. Und wenn man es denn weiß, braucht man nicht lange zu suchen- überall zeigt der selbstbewusste Ire, was ihm wichtig ist. Eine Rangfolge festzulegen, wäre unfair. (For Josep, Aranzazu and Eliana: It´s a pitty that we couldn`t enjoy the trip together (by car, of course) It was worth each Penny. I miss you and I`m looking forward to January. Regards to Madrid and Barcelona)

Der alte Geschichtsprofessor, z.B., der uns durch die wunderschöne Altstadt führte, erzählte uns so manch Spannendes, Erfreuliches und Dramatisches aus dem irischen Alltag während der letzten 500 Jahre. Die Zeit der großen Hungersnot (1845-1848) aufgrund der Kartoffelfäule brachte so tiefe Einschnitte in das Leben der Menschen mit sich, dass sich diese Zeit (wie bei uns die Kriegszeit) in unzähligen Liedern, Gedichten, Romanen, Filmen oder Theaterstücken spiegelt. Die Menschen verhungerten zu tausenden oder verließen das Land, emigrierten nach Amerika. Es gibt wohl keine Familie in den USA, die nicht irische Wurzeln hat, sagt man hier. Um 1900 lebten hier von den einst 8,1 Mio Iren nur noch etwa dreieinhalb Millionen.
Ein mit diesem Sterben und Emigrieren verbundenes Übel war kultureller Art, denn die gälische Sprache verschwand fast ganz aus dem Alltag und mit ihr so mancher alte Brauch. Der Prof ist umso stolzer darauf, dass die EU das Irische vor einem Jahr zur 21. Amtssprache erklärt hat und die Bevölkerung wieder im Wachsen begriffen ist.

Die Bewohner von Kilkenny zeigen einen noch anderen Stolz, denn die Stadt ist die Hurling- Hochburg Irlands und an den Häusern sind die Fotos der Spieler zu sehen, viele Straßen leuchten in den Clubfarben gelb-schwarz und aus den Pubs ertönt Beifallrufen, wenn
die Kilkenny Cats Punkte machen! Und es wird mit einem Smithwicks (rotes Bier) oder eben einem hier gebrauten Kilkenny angestoßen. (Das hat eine Schaumkrone wie das Guinness und schmeckte mir sogar am Nachmittag.)

Sicherlich ist der Bewohner von meinem B&B auch stolz auf sein Land und die Traditionen. Er konnte gar nicht verstehen , warum ich am Morgen kein irisches Breakfast bestellte. Natürlich verstehe ich den alten Sinn dieses Frühstückes, brauchten doch die Menschen auf dem Lande für ihr langes Tagwerk ein reichhaltiges und sättigendes Frühstück für den Tag, aber ich als Stadtmensch doch nicht. Zweimal habe ich es versucht und festgestellt, Toast,Pilze, Spiegeleier, Schinken, gegrillte Würstchen, gebackene Bohnen und Black Pudding (eine Art Blutwurst) sind nicht mein Ding (Not my cup of tea) zum Frühstück.

Zurück zum Anfang, zur Geschichte. Wusstet ihr, dass es ein Ire war, der dem Barometer (Robert Boyle) oder dem Elektron (George Surrey), dem Mikrophon (Narzissus Marsh) oder dem Neanderthaler (William King) den Namen gab? Darauf sind die Iren bestimmt auch stolz, wenn die es denn aus ihrer Schulzeit noch wissen sollten.
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