Freitag, 17. Oktober 2008

Time to say goodbye










Fotos: Meine letzte Klasse: Natalja (France), Julie (France) , Cathriona (teacher), Ruedi and Carmen (Switzerland), Rafael (Spain), Francois (Belgium), Vincent (Belgium); Beim Abschiedsabend: Francois, Rafael, Julie,; meine beiden Mitbewohner und "Bodyguards Stefano und Christian (Italy); Carmen und Carina (France), die ein halbes Jahr hier studieren


Dear friends and mates,


three months at ALS are over now and time is come to say goodbye. I do it with mixed feelings. On the one hand the time at school and here in Galway was quite amazing, on the other hand I miss my family and friends. Sometimes I hink: Time flew and I wish I could roll back the clock but than I think about all the people who are waiting for me at home in Germany and I`m looking forward to hugging them.

I´d like to thank the competent and high motivated staff of ALS who encouraged and challenged us, motivated or helped us when we felt upset and gave us the break to improve our English in different ways. Thanks for all classes including the free cultural classes, free vocabulary classes or singing classes and all the well- organized activities like our trip to Aran Islands, the afternoon walking tour or the cruise on the river.

I´d like also to thank you, the students from all the different countries I met at school. Thanks for your kindness, company and excellent teamworking. I suppose our cooperation was more then beeing on good terms- I felt respect, tolerance and heartiness. Most of all I enjoyed our interesting conversations (including girl talks) and discussions and all the moments we laughed together. Thanks for the unforgettable time we spent together and a special thank for your friendship, dear Eliana, Aranzazu and Josep. I´m looking forward to meeting you again in January in Spain.

I`d like to send you all on your way with an old Irish blessing.


May love and laughter light your days,
and warm your heart and home.
May good and faithful friends be yours,
wherever you may roam.
May peace and plenty bless your world
with joy that long endures.
May all life's passing seasons
bring the best to you and yours!


All the best to you. Take care, yours Elke from Germany

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Mittwoch, 15. Oktober 2008

Two hands a heart and a crown



















Fotos: Eyre Square, Claddagh, Universität, Corrib- Fluss

In drei Tagen verlasse ich Galway (Cathair na Gaillimhe), die Stadt, die mir für 11 Wochen ein Zuhause war und die zu den am schnellsten wachsenden Städten Europas gehört.

Vor den Toren dieser Stadt lag einst Claddagh, ein kleines Fischerdorf. Dort entstand, sicherlich nicht nur der Legende nach, der Claddagh- (Finger)Ring, einer der bekanntesten Symbole Irlands. Zwei Hände halten ein Herz, auf dem eine Krone sitzt. Wird er an der rechten Hand getragen und das Herz zeigt zu den Fingerspitzen, bedeutet dies: „Ich suche nach einem Partner“ oder "Ich biete Feundschaft". Wird er rechts getragen, mit dem Herz zum Träger weisend, erzählt dies: „Ich bin bereits vergeben!“ An der linken Hand ist der uns bekannte Trauring. Im Übrigen ist es eine (noch) verbreitete Tradition, sich zu verloben und der Verlobungsring ist viel wertvoller als ein Ehering. Ist dies ein Claddagh- Ring, wird er oft von der Mutter an die Tochter weiter gegeben. Schöne Tradition!

Die reichen Clans (Tribes), die im Mittelalter in Galway das Sagen hatten, sind hier nicht mehr zu finden, auch wenn die Fahnen mit ihren Namen auf dem Hauptplatz, dem Eyre Square, wehen. Dieser Platz bildet das lebendige Zentrum der Stadt, dort sitzen die jungen Leute bei schönem Wetter in ihrer Mittagspause, treffen sich die Touristen zum Stadtrundgang oder die Galwayer zum Shopping.

25% aller Einwohner sind Studenten der hiesigen ehrwürdigen und doch so modernen Uni, des Institutes für Technologie oder der drei Sprachschulen. Da quirlt das Leben, besonders abends, in den Pubs und Discos. Aber auch die zwei großen Kinos, die Theater, das Museum, die vielen Konzerte, Ausstellungen oder Festivals machen das Flair dieser Stadt aus.

Es ist die westlichste aller irischen Städte und die heimliche Kulturhaupstadt Irlands. Ich mag die Shopping Street mit ihren Musikanten ebenso wie die kleinen Gassen, direkt an einer großen Bucht gelegen. Umgeben von Bergen und eingebettet in eine ganz spezielle Landschaft zwischen Kargheit und grüner Fülle, mit Seen und Wäldern, ist Galway mit seinen über 70.000 Einwohnern eine Stadt zum Verlieben.

Als ich gestern bei strahlendem Sonnenschein an der Claddagh mit ihren bunten Häusern aus den 30-ern saß und ein bisschen wehmütig an den bevorstehenden Abschied dachte, träumte ich auch beim Rauschen des Corribs auch schon ein wenig von einem Wiedersehen. #
Den Chladdagh- Ring trage ich übrigens an der rechten Hand... Logisch.

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Samstag, 11. Oktober 2008

Irish Tinker, Hunter and Draught



















Ich habe mich verliebt, heute Vormittag, bei strahlendem Sonnenschein. In Tinker, besser gesagt: In einen Irish Tinker. Vom ersten Blick an war ich fasziniert von ihm: Schöner Kopf, gerade Schultern, Muskeln und völlig ohne Berührungsängste, kontaktfreudig, ziemlich unerschrocken...


Ihr habt es an den Fotos natürlich sofort erkannt, dass es sich um ein besonders Pferd handelt- es ist nämlich weiß/schwarz- ein „buntgeschecktes“ Pferd. Das Wort „Tinker“ stammt eigentlich von dem Beruf des Kesselflickers ab, gilt hier aber als ein Schimpfwort für die Travellers und Zigeuner (Die Travellers sind verarmte landlose Iren und die ursprünglichen Züchter der Irish Tinker.). Diese übten im Mittelalter diesen Beruf aus und hielten die „Farbpferde“. Früher besaßen die Zigeuner oft nur Esel, die das Hab und Gute der Menschen trugen. Dann aber eigneten sie sich Kenntnisse in der Pferdezucht an, begannen später, die Tiere zu verkaufen. Bis heute werden die Pedigrees in den Zuchtgebieten nicht niedergeschrieben, sondern nur mündlich weitergegeben.1722 erteilte King George Erlaubnis, in Ballinasloe, etwa 70 km von Galway entfernt, einen jährlichen Pferdemarkt abzuhalten.


Neugierig haben wir uns heute in den 5000- Einwohner-Ort auf den Weg gemacht. Der Markt dort hat sich nämlich inzwischen zur Europe`s Oldest International Horse Fair entwickelt. Es gibt Auktionen, Marktstände, ein Bühnenprogramm, einen Rummel aber auch Seminare und Wettbewerbe. Alles erinnert an eine Kirmes, aber ist viel größer. Wir haben heute Pferde wohl jeder Rasse bewundern können. In einem Gespräch mit einem der Händler fragten wir nach dem Preis. Ein kleines Pony, so seine Aussage, koste etwa 1000 Pound (1 Pound= 1,24 Euro), andere Quellen erzählen, dass ein Pferd bis zu 6000 Pound kosten könne (6700 Euro). Der Händler erzählte uns auf unsere Frage, dass die Geschäfte im Moment nicht so gut laufen und fragt schmunzelnd, ob wir nicht eines seiner Tiere kaufen wollen. Wir lehnten ebenso lächelnd ab. Wir könnten wohl auch nicht so handeln, wie es bei den Profis im Geschäft nicht nur in Irland üblich ist. Tatsache ist, dass ein Handschlag den Handel besiegelt und Cash gezahlt wird.


Auf dem Rückweg wippten unsere Füße zum Takt der irischen Musik auf der Bühne und eigentlich fehlte nur eines: dem traditionelle Tug-O'-War (Tauziehen) in einem der Pubs zuzuschauen. Vielleicht ein anderes Mal. Wenn wir den Besuchern des Pferdemarktes auf der weich getrampelten Wiese im Herzen Ballinasloes im kommenden Jahr einen Tipp geben dürften, wäre es dieser: Vergesst die Gummistiefel nicht.
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Mittwoch, 8. Oktober 2008

Absolut Viehisches




















Sicherlich hat kein Ire je auf Schwäne gewettet, oder Schafe oder Esel. Wie sollte er auch? Aber im Wetten ist er dennoch groß, geht es um Pferde oder Hunde. Letzte Woche wollte ich mir ein Hunderennen im Greyhoundstadion in Galway deshalb nicht entgehen lassen. So etwas gibt es in Irland nämlich seit fast 100 Jahren und es hat sichtlich nicht an Attraktivität verloren.

Das Flair auf der Rennbahn war trotz des miesen Wetters besonders.
Die Zuschauer genossen den Abend bei Fastfood und Bier, verfolgten die Rennen in Dublin auf den Bildschirmen und setzten Geld auf ihre Favouriten. (Ich hebe es auch mal probiert und habe die vier Euro verloren.) Die Hunde tragen beim Rennen eine Art Leibchen und so konnte ich sie bei ihrer Hatz nach dem imaginären Hasen auf der Sandbahn auch aus der Ferne erkennen. Die Männer feuerten "ihre" Hunde lautstark an, wetteten um Sieg, Chance oder mehr, und ich erwischte mich sogar beim Daumendrücken. Dennoch konnte ich den Spaß an diesen Wetten nicht ganz genießen, wie die meisten Besucher. In meinem Kopf passen Tiere und solche Geschäftemacherei nicht zusammen. In meinem Lieblingsbuch über Irland habe ich gelesen, dass es auch Hundekämpfe gibt, die aber, wie auch Hahnenkämpfe, verboten sind.

Schafe sind nicht verboten, im Gegenteil. Über 8 Millionen gibt es inzwischen. Das heißt, rein statisch gesehen, dass auf jeden Einwohner Irlands zwei Schafe kommen. Manchmal stehen sie mitten auf der Straße und du schaust automatisch nach dem farbigen Punkt auf ihrem Fell: Pink oder Blau. Manche Iren sagen, es gäbe diese Farben, damit die Farmer erkennen würden, ob es ihre Schafe wären. Andere meinen, das wäre die Unterscheidung zwischen männlich oder weiblich. Die Dritten erklären, dies sei das Erkennungsmerkmal dafür, welches "Dip" und "Dosing" die Tiere bekommen haben- welche Art Schutz vor typischen Wurmkrankheiten. Ich bin von Letzterem überzeugt und schmunzele über die Souveniers, die Irland symbolisieren: Schaf- Topflappen, Schaf- Schlüsselanhänger, Schaf- T-Shirts....

Ein letztes Wort zu den Schwänen, die ich hier unzählige Male fotografiert habe. Sie gehören für mich zu Irland wie die Schafe. Die Legende der Kinder von König Lir erzählt, dass sie einst von ihrer eifersüchtigen Stiefmutter in Schwäne verwandelt worden sein. Die von ihrem Gewissen gequälte Stiefmutter verlieh den Schwänen aber noch die Gabe des überirdisch schönen Gesangs. Sie wurden 900 Jahre später wieder zu Menschen, waren dann jedoch schwach und gebrechlich und starben kurze Zeit später, nicht jedoch, ohne zum mittlerweile aufgetauchten Christentum bekehrt zu werden... Wie auch immer: Die Schwäne wurde auch von dem berühmten Dichter Yeats nicht nur einmal besungen und mir fallen viele Märchen ein, in denen Schwäne eine Rolle spielen. Die irischen überwintern hier, denn der Winter ist in Irland sehr mild.

Bleiben noch die Pferde. Die ziehen mich bestimmt am kommenden Wochenende in ihren Bann, in Ballinasloe... Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte.
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Dienstag, 7. Oktober 2008

Proud of... names, teams and history



















Fotos: Impressionen aus der "irischen Stadt des Mittelalters"

Man muss nicht nur, wie ich am letzten Wochenende, das mittelalterliche Stadtzentrum von Kilkenny besucht haben, um zu erleben, worauf die Iren sehr stolz sind. Und wenn man es denn weiß, braucht man nicht lange zu suchen- überall zeigt der selbstbewusste Ire, was ihm wichtig ist. Eine Rangfolge festzulegen, wäre unfair. (For Josep, Aranzazu and Eliana: It´s a pitty that we couldn`t enjoy the trip together (by car, of course) It was worth each Penny. I miss you and I`m looking forward to January. Regards to Madrid and Barcelona)

Der alte Geschichtsprofessor, z.B., der uns durch die wunderschöne Altstadt führte, erzählte uns so manch Spannendes, Erfreuliches und Dramatisches aus dem irischen Alltag während der letzten 500 Jahre. Die Zeit der großen Hungersnot (1845-1848) aufgrund der Kartoffelfäule brachte so tiefe Einschnitte in das Leben der Menschen mit sich, dass sich diese Zeit (wie bei uns die Kriegszeit) in unzähligen Liedern, Gedichten, Romanen, Filmen oder Theaterstücken spiegelt. Die Menschen verhungerten zu tausenden oder verließen das Land, emigrierten nach Amerika. Es gibt wohl keine Familie in den USA, die nicht irische Wurzeln hat, sagt man hier. Um 1900 lebten hier von den einst 8,1 Mio Iren nur noch etwa dreieinhalb Millionen.
Ein mit diesem Sterben und Emigrieren verbundenes Übel war kultureller Art, denn die gälische Sprache verschwand fast ganz aus dem Alltag und mit ihr so mancher alte Brauch. Der Prof ist umso stolzer darauf, dass die EU das Irische vor einem Jahr zur 21. Amtssprache erklärt hat und die Bevölkerung wieder im Wachsen begriffen ist.

Die Bewohner von Kilkenny zeigen einen noch anderen Stolz, denn die Stadt ist die Hurling- Hochburg Irlands und an den Häusern sind die Fotos der Spieler zu sehen, viele Straßen leuchten in den Clubfarben gelb-schwarz und aus den Pubs ertönt Beifallrufen, wenn
die Kilkenny Cats Punkte machen! Und es wird mit einem Smithwicks (rotes Bier) oder eben einem hier gebrauten Kilkenny angestoßen. (Das hat eine Schaumkrone wie das Guinness und schmeckte mir sogar am Nachmittag.)

Sicherlich ist der Bewohner von meinem B&B auch stolz auf sein Land und die Traditionen. Er konnte gar nicht verstehen , warum ich am Morgen kein irisches Breakfast bestellte. Natürlich verstehe ich den alten Sinn dieses Frühstückes, brauchten doch die Menschen auf dem Lande für ihr langes Tagwerk ein reichhaltiges und sättigendes Frühstück für den Tag, aber ich als Stadtmensch doch nicht. Zweimal habe ich es versucht und festgestellt, Toast,Pilze, Spiegeleier, Schinken, gegrillte Würstchen, gebackene Bohnen und Black Pudding (eine Art Blutwurst) sind nicht mein Ding (Not my cup of tea) zum Frühstück.

Zurück zum Anfang, zur Geschichte. Wusstet ihr, dass es ein Ire war, der dem Barometer (Robert Boyle) oder dem Elektron (George Surrey), dem Mikrophon (Narzissus Marsh) oder dem Neanderthaler (William King) den Namen gab? Darauf sind die Iren bestimmt auch stolz, wenn die es denn aus ihrer Schulzeit noch wissen sollten.
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Donnerstag, 2. Oktober 2008

Limerick without limericks












Auf der Suche nach der Wahrheit trieb es mich am letzten Wochenende nach Limerick, etwa 100 km entfernt von Galway. Dort müssen die „Limericks“ doch ihren Namen bekommen haben. Hier schüttelten all meine Sprachlehrer und meine Gastmutter den Kopf:“ Ein Limerick? Ein Gedichtform? Nie gehört.“ Ja, das ist es, kurz, bündig, oft humorvoll, einem Reimmuster folgend, wie dieses hier vom Joseph C. Tyler, Sr.:


THE TRAIN AT 4:04

"There's a train at four - four," said Miss Jenny.
"Four tickets I'll take, have you any?"
Said the man at the door, "Not four for four - four
For four for four - four is too many."


Um es gleich zu sagen: Diese Textform scheint bei uns bekannter zu sein als in Irland. Laut Wikipedia liegen die Wurzeln für dessen Bezeichnung in einem alten englischen Soldatenlied und man entdeckte sie fast vor 200 Jahren. Die Touristinformation in Limerick war am Sonntag geschlossen. Schade, vielleicht hätte ich dort eine Auskunft bekommen.

Dennoch war ich nicht traurig, denn ich stand am größten Fluss Irlands, dem Shannon, der immerhin fast 400 km lang ist und nach seiner Reise von Nordirland bei Limerick in den Atlantik fließt. Frank McCourt, der“ Angela´s Ashes“- „Die Asche meiner Mutter“ geschrieben hat, ist hier geboren. Es ist ein autobiographischer Roman und der Film hat mich unglaublich berührt. (In dem Zusammenhang: Ich verstehe nicht, warum die Originaltitel bei uns immer verändert werden.) Die im Internet angebotene Angela- Ashes- Tour, allerdings, wollte ich ohne Guide nicht erlaufen.


Limerick ist immerhin die drittgrößte Stadt Irlands, von der Einwohnerzahl etwa mit Bernau und dem sich anschließenden Zepernick vergleichbar. Sie war vergleichsweise ruhig am letzten Sonntag und so konnte ich mit nur wenigen anderen "Touries" King John`s Castle besuchen, mir St. Mary´s Cathedral ansehen und gemütlich durch die Innenstadt schlendern.


Einen Hinweis auf die Limericks habe ich nicht gefunden, dafür aber die Lust, die großen Iren wie Yeats, Joyce, oder Wilde im Original zu lesen. Letzterer hat vor 120 Jahren zu Yeats gesagt (dessen Gedichte ich über alles mag): "Wir Iren sind zu poetisch, um Dichter zu sein, wir sind eine Nation von glänzenden Versagern, aber wir sind die größten Redner seit den Griechen."

Denke ich auch an Swift, Shaw oder Beckett muss ich lächeln und ich wage mich schließlich an die erste Shortstory von Synge.

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Montag, 29. September 2008

A pearl and many festivals



















Nein, ich wurde nicht zur Auster- Perle gewählt, die Lady auf dem Foto ist mehr geeignet dafür. Ich habe auch nicht die erste Auster des Jahres geschlürft, wie der Bürgermeister der Stadt. (Die Galway- Austern sind bekannt in ganz Europa.) Am Straßenrand stehend, habe ich gemeinsam mit hunderten Menschen dem kleinen Festumzug zugewunken, der bei der offiziellen Eröffnung des "Oyster Festivals" durch Galways Straßen zog.

Dessen Fröhlichkeit brauchte mich nicht anzustecken- denn ich bin wieder voller Lachen nach den traurigen Tagen der letzten Woche. Darum vorab: Euch allen, die ihr nach dem Herzinfarkt meines Vaters, Anneliese und meinem Vater zur Seite standet, ob durch praktische Hilfe, oder durch gute Wünsche und Gebete, möchte ich danken. Und habt auch Dank für eure Ermutigungen für mich (besonders an meine Brüder, die mich immer auf dem Laufenden hielten), diese Zeit in der Ferne auszuhalten, nicht heimzufahren und sie, wie geplant, zu beenden. Vater hat es gepackt... Und das ist ein Grund zum Feiern, meint ihr nicht?

Übrigens: Die Iren feiern unglaublich viel und gerne. Über das ganze Jahr verteilt ist in den 32 Counties immer irgendwo ein Festival, wie das Oysterfestival in Galway. Das gibt es seit den frühen Fünfzigern, als ein cleverer Hotelchef auf die Idee kam, die Touristen auch im September in sein Haus zu locken. Das Verrückteste an diesem Festival: Austern- Liebhaber aus aller Welt kommen hier, um an einem Wettbewerb teilzunehmen. Da gibt es einen langen Tisch (90 cm hoch) und vor jedem Teilnehmer liegen 30 Austern, die es in kürzester Zeit ohne jegliche Hilfsmittel (Handschuhe erlaubt) zu öffnen und zu präsentieren gilt. Meistens haben die Iren selbst, die Norweger oder Schweden gewonnen. Wen wundert´s?

Vielleicht sind die deutschen Männer und Frauen ja aktiver und erfolgreicher auf dem Festival in Lisdoornvana, beim Matchmaking- Festival? Das findet als eine alte Tradition gerade dieser Tage statt. Die Matchmaker waren meist alte Leute in einem Landstrich, die wussten, welcher Sohn/welche Tochter im heiratsfähigen Alter war. Sie luden im September jedes Jahres alle Farmer aus Irland ein, um sie zu verkuppeln. Sie kümmerten sich auch um die Aussteuer. Heute ist das eine Riesenparty mit Tanz und allem Drum und Dran und Leute aus ganz Europa und aller Altersklassen fahren nach Lisdoonvarna. (Ich hab ja keine Zeit- muss Englisch lernen!)

Fast lohnt es sich, das Jahr nach diesen Ereignissen zu unterteilen, denn da ist das Kunstfestival, das Theaterfestival, das Opernfestival, das Jazz- Festival, das St. Patricks- Festival. Wer Interesse und Zeit hat, erlebt hier, dass die Iren nicht nur ein sehr gastfreundliches ( Karneval der Kulturen der Welt in Dublin), ein lachwilliges Volk (Cat Laughs- Festival in Kilkenny), ein bildungswilliges (Listowel Writers Week) und feierwilliges Volk sind, das keinen Anlass auslässt, dies unter Beweis zu stellen.

Und hätte die Eintrittskarte zur gestrigen Gala beim Austern-Festival in meiner Stadt nicht 130 Euro gekostet, hätte ich bestimmt auch bis in die Nacht getanzt, laut gesungen, dabei viel geplaudert und einen guten Whiskey oder zwei Bier getrunken. Aber ich habe ja noch vier Wochen Zeit, zu erleben, was die Iren meinen, wenn sie sagen: "There are no strangers here, only friends who never meet before."
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